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Acht­sam kon­su­mie­ren in der Krise

© Polina Tankilevitch, pexels

Trotz Lockerungen sollten wir nicht leichtsinnig werden und weiterhin so gut wie möglich physische Distanz wahren – um gefährdete Menschen aber auch uns selbst vor dem Corona-Virus zu schützen. Allerdings können kleine Unternehmen, Kulturschaffende und Künstler jetzt besonders unsere Unterstützung gebrauchen. Wie können wir acht­sam und soli­da­risch kon­su­mie­ren, ohne aus dem Haus zu gehen? 5 Tipps.

Wir werden wohl noch ein bisschen weiterleiden in den nächs­ten Tagen. Und uns viel­leicht auch ein wenig in Demut üben. Denn was diese selt­same Zeit auch zeigt, ist wie frei und unbe­darft wir oft durchs Leben gehen. Mit unbe­grenz­tem Zugang zu Enter­tain­ment, Shop­ping­mög­lich­kei­ten und Ablen­kung und vor allem zu sozia­len Kon­tak­ten, meist nicht oder wenig belas­tet von Sorgen um Gesund­heit und Finan­zen oder gar die wirt­schaft­li­che Gesamt­si­tua­tion im Land.

Gewohnt, jeder­zeit und gren­zen­los kon­su­mie­ren können, wonach uns gerade ist,
fällt es schwer, in der ganz all­täg­li­chen Frei­heit ein­ge­schränkt zu sein. Den­noch ein ver­gleichs­weise klei­nes Opfer, wenn man an die­je­nigen denkt, die es zu schüt­zen gilt – Ältere, Vor­er­krankte, Men­schen mit schwachem Immun­sys­tem. Und die, die nicht zuhause blei­ben ​„dürfen“ und momen­tan die här­tes­ten Jobs für uns alle machen: vor allem Ärzte und Pfle­ge­per­so­nal, aber auch Super­markt­an­ge­stellte, Apo­the­ke­rIn­nen, Poli­zis­ten.

Es gibt aber auch sehr viele Men­schen, die jene schöne heile Kon­sum­welt bis­lang für uns bereit­ge­stellt haben und jetzt ganz plötz­lich – oder in dieser Situa­tion umso mehr – um ihre Exis­tenz bangen müssen. Gas­tro­no­men, Künst­ler, Kul­tur­schaf­fende, Frei­be­ruf­ler… Die Liste ist lang. Für viele kann man spen­den oder Vou­cher und Gut­scheine für einen Besuch nach der Corona-Krise kaufen. In Berlin zum Bei­spiel über helfen​-shop​.berlin.

Man kann aber auch das Nütz­li­che mit dem Hilf­rei­chen ver­bin­den und durch sinn­vol­len Konsum zu einer bes­se­ren Situa­tion vieler bei­tra­gen. Kor­rekt, fair und nach­hal­tig shop­pen und genie­ßen geht auch vom Sofa aus. Mit kurzen Lie­fer­we­gen und ohne Viren­ge­fahr.

Wich­tige Info vorab: die meis­ten Spon­tan-Initia­ti­ven sind nicht sofort auf den Web­sei­ten zu finden, son­dern werden in den sozia­len Medien gepos­tet.

Soli­da­ri­tät zeigen

Seit Beginn der Krise sind dankenswerter Weise immer mehr soziale Aktio­nen aus dem Boden gesprossen, die du unter­stüt­zen kannst. Wie das #kei­n­er­kommt-Fes­ti­val, zu dem nie­mand kommt und statt­des­sen Spen­den für die Ham­bur­ger Kul­tur­szene gesam­melt werden. Wohnzimmer- und Autokino-Konzerte, Sport- und Weiterbildungs- und Gesundheitsprogramme, die online funktionieren. Oder Restau­rants, die für Ver­käu­fe­rIn­nen, Ärz­tIn­nen, Pfle­ge­rIn­nen und Co. kochen. Besonders wichtig: Auch an die zu denken, die gar kein Zuhause haben. Organisationen, die Obdachlose oder Flüchtende unterstützen können jetzt mehr denn je Unterstützung gebrauchen.

Du möch­test auch aktiv werden, hast aber gerade keine Kapa­zi­tä­ten für finan­zi­elle Spen­den? Über Aktio­nen wie Qua­ran­tä­ne­hel­den kannst du deine Nach­barn unter­stüt­zen – oder dir selbst Hilfe holen. Aktio­nen wie diese zeigen die posi­ti­ven Dinge, die so eine Krise in uns als Gesell­schaft her­vor­ru­fen kann.

Das Nötigste und Leckerste per Lie­fer­dienst

Die gute alte Bio­kiste könnte jetzt ein Revi­val erle­ben und ist eine super Idee, um
Erzeu­ger zu unter­stüt­zen, die sonst unter ande­rem Restau­rants belie­fern. Und kon­takt- und viren­frei ein­zu­kau­fen! Viele von ihnen hatten und haben große Verluste zu verzeichnen. Einige Anbie­ter bieten ein Sor­ti­ment an, das dem eines Bio­super­markts durch­aus gleich­ kommt. Und bei klei­nen unab­hän­gi­gen Shops, Fein­kost­lä­den und Co. mit Online-Bestell­mög­lich­keit bekommt man die zusätz­li­chen, beson­de­ren Goo­dies.

Fine Dining in der Krise

Restau­rants und Ein­zel­händ­ler schlie­ßen ihre Türen – und bangen um ihre Exis­tenz. Einige haben sich bereits Alter­na­ti­ven aus­ge­dacht. Bei eini­gen konnte man sich bereits während des Lockdowns Zuta­ten plus guten Wein für ein ganzes Fest­mahl nach Hause bestel­len, bei ande­ren bleibt die Küche nicht kalt, son­dern wird zum Brot­ba­cken oder Ein­ma­chen genutzt. Die fer­tige Ware kann man bestellen und durch die Fens­ter­aus­gabe erste­hen. Und viele wei­tere bieten jetzt einen tem­po­rä­ren Online-Bestell­ser­vice an. Wich­tigste Infor­ma­ti­ons­quelle dafür: die Social Media-Kanäle der Loka­li­tä­ten.
Beson­ders toll: einige Restau­rants und Bäcke­reien bieten Gra­tis­wa­ren für die großen Helden des momen­ta­nen All­tags an – Gesund­heits­per­so­nal, Poli­zis­ten, Feu­er­wehr­män­ner etc. Groß­ar­tig!

Enter­tain­ment vom Sofa aus

Geschlos­sene Clubs, Kon­zert­säle und Thea­ter, abge­sagte Tourneen und Pre­mie­ren: Musi­ker und Kul­tur­schaf­fende sind jetzt beson­ders darauf ange­wie­sen, dass man wieder Ton­trä­ger und Fan­ar­ti­kel kauft, ihre Songs in Dau­er­schleife streamt oder ihre Fund­rai­sing- und Crowd­fun­ding-Aktio­nen unter­stützt. Einige spie­len aber auch zuhause oder im leeren Club und über­tra­gen Euch die Show ins Wohn­zim­mer. Ähn­li­ches gilt für Sport, Tanz, Medi­ta­tion… Viele Fitness- und Yoga­stu­dios bieten Online-Kurse an, oft mit Corona-Rabat­ten. Ein­fach mal in den Sozia­len
Medien und auf den Crowd­fun­ding-Platt­for­men die Augen offenhalten.

Sup­port your local Dealer — online

Auch nach­hal­tig Shop­pen bei klei­nen Anbie­tern ist von zuhause aus mög­lich. Es gibt zahl­rei­che lokale Unter­neh­men, bei denen man inzwischen auch online bestel­len kann. Einige fin­dige werden in den nächs­ten Tagen und Wochen noch dazu­kom­men und Bestell­mög­lich­kei­ten bereit­stel­len. So wie einige Buch­lä­den, die schon jetzt guten Lese­stoff per Fahr­rad aus­lie­fern. Ein­fach die unab­hän­gi­gen Lieb­lings­lä­den durch­ge­hen und deren Social-Media-Kanäle che­cken. Oder auch selbst die Initia­tive über­neh­men: Gibt es keinen Shop, ein­fach mal nach­fra­gen, ob man unbü­ro­kra­tisch per Mail bestel­len kann.

Valé­rie Hasen­mayer ist frei­be­ruf­li­che Auto­rin und Tex­te­rin und beschäf­tigt sich viel mit Themen, die Nach­hal­tig­keit und fairen Handel betref­fen. Auf dem Ins­ta­gram-Account @the_good_guide_berlin sam­melt sie momen­tan gut-kon­su­mie­ren-Tipps – haupt­säch­lich für Berlin, aber auch dar­über hinaus. Sie hat diesen Text im April verfasst. Wir finden, der Text ist immer noch hochaktuell.

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