Zahngesundheit
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Zahnyoga & wie geht Zahnpflege richtig? Das BKK advita-Interview

Bist Du in guter Verbindung mit Deinen Zähnen? Wir starten mit dem Basiswissen, wie Zahnpflege richtig funktioniert. Der Tag der Zahngesundheit am 25.9.2016 ist Anlass für uns, das Interview abzudrucken, dass die erste umweltzertifizierte Krankenkasse in Deutschland, die BKK advita, mit unserem Partner Thilo Grauheding (Zahnarzt und Entwickler der SWAK)  geführt hat.

Regelmäßige Zahnpflege wirkt

BKK advita: Herr Grauheding, warum ist eine regelmäßige Zahnpflege so wichtig für die Gesundheit bzw. für den Organismus?

Thilo Grauheding: Zunächst einmal geht es bei der Zahnpflege ja um die Prophylaxe, also die Verhinderung der beiden Krankheiten Karies und Parodontitis. In der Zahnmedizin ist Prävention sogar recht einfach, wenn man etwas über die Zusammenhänge in der Mundhöhle weiß. Wir haben es vor allem mit einer Ursache für Zahnerkrankungen zu tun: den bakteriellen Belägen. Diese haften sich als „Biofilm“ oder „Plaque“ auf allen Zahnoberflächen an. Sie gehören zur normalen Mundflora dazu und sind zunächst gar nicht gefährlich. Doch nach 24 Stunden können die Bakterien sich untereinander soweit organisieren, dass sie aus Nahrungsresten – sie verarbeiten besonders gerne Zucker – Säuren produzieren, die dann die Zähne angreifen. Auch das Zahnfleisch leidet, wenn es ständig mit Zahnbelägen in Berührung ist. Das führt dann zur Parodontitis, der Erkrankung aller den Zahn umgebenden Gewebe.
Regelmäßige Zahnpflege bedeutet also, dass wir Zahnbelag entfernen, bevor er Schäden anrichten kann. Abgesehen von der Ästhetik und der Funktion des Kauens, ist die Gesunderhaltung des Mundraumes besonders wichtig, weil wir hier eine riesige potentielle Eintrittspforte für Krankheitserreger ins Körperinnere haben. Die Zähne sind der einzige Teil des Skelettes, der nach außen ragt. Wir wollen also, dass das Zahnfleisch als Barriere entzündungsfrei, gesund und straff ist. Immer bekannter und besser erforscht wird der verstärkende Einfluss von Mikroorganismen aus der Mundhöhle auf Allgemeinerkrankungen, wie Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Bakterielle Entzündungen erhöhen auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Risiko für Früh- oder gar Fehlgeburten bei Müttern mit gesunden Zähnen deutlich geringer ist.
Meist weitgehend unbemerkt, ist das Immunsystem bei vielen Menschen ständig gefordert, weil es pausenlos Kämpfe gegen Entzündungen führt, die von Zähnen und Zahnfleisch ausgehen. Erlebbar wird das für viele Menschen erst dann, wenn die Körperabwehr anderweitig gefordert ist, z.B. bei Stress oder Erkältungen und dann Zahn- oder Kieferschmerzen auftreten. Dabei ist richtige Zahnpflege leicht.

Richtige Zahnpflege, aber wie?

BKK advita: Gibt es eigentlich die „richtige“ Zahnpflege oder sollte diese ggf. individuell auf jeden persönlich abgestimmt werden?

Thilo Grauheding: Grundsätzlich gilt für uns alle das Gleiche: Regelmäßig, das heißt alle 24h, die Zahnbeläge entfernen – auch zwischen den Zähnen. Das gilt für Kleinkinder, bei denen die Eltern sanft und auch gründlich putzen sollten, genauso wie für pflegebedürftige und alte Menschen. Leider putzen die meisten Menschen nicht mit der richtigen Technik und dem passenden Werkzeug. Heftiges Schrubben führt dann zu freiliegenden, empfindlichen Zahnhälsen – Putzschäden, wie ich sie jeden Tag bei meinen Patienten in der Praxis sehe.
Wichtig ist daher, sanft vorzugehen und beim Putzen jeden Zahn einzeln wahrzunehmen. Dazu eignen sich besonders kleine Zahnbürsten, um keine Putzschäden entstehen zu lassen.
Natürlich sollte in der Zahnarztpraxis individuell beraten und angeleitet werden, denn jedes Gebiss hat seine Besonderheiten, die zu beachten sind. Insbesondere die Größe der Zahnzwischenräume sollte vom Praxisteam exakt bestimmt und dann die passenden Interdentalbürsten zugeordnet werden. Leider werden die Zahnzwischenräume meist vernachlässigt, dabei halten sich hier die meisten Mikroorganismen auf. Auch über die Notwendigkeit einer Mineralisierung, ob mit Fluorid oder ohne, sollte mit dem Zahnarzt gesprochen werden.

Abgrenzung: schulmedizinische und alternative Behandlung

BKK advita: Trotz Vorsorge habe ich nun doch Zahnschmerzen. Wie kann ich als Patient auf dem Zahnarztstuhl eigentlich zwischen schulmedizinischer Behandlung und alternativen Behandlungsangeboten unterscheiden?

Thilo Grauheding: Hoffentlich doch gleich beim Bratungsgespräch! Der Zahnarzt muss zu allen Behandlungsangeboten über den Nutzen, die Risiken, und natürlich die eventuell vom Patienten zu tragenden Kosten sorgfältig aufklären.
Wenn Sie Zahnschmerzen haben, wird in den meisten Fällen eine Reparatur, wenn nicht sogar der Ersatz der Zahnsubstanz anstehen. Als Zahnarzt bin ich heute in der glücklichen Lage, auf wesentlich bessere, verträglichere Materialien zurückgreifen zu können als früher. Metallfreie Füllungen und Zahnersatz sind heute in den meisten Praxen bereits Standard. Hier arbeitet jeder Zahnarzt „schulmedizinisch“, sonst ist es einfach nicht zu machen. Alternative Behandlungsangebote können Zahnbehandlungen sinnvoll unterstützen, und oft erkennen ganzheitlich arbeitende Zahnärzte überhaupt erst Zusammenhänge zwischen Zahnproblemen und Symptomatiken, die ganz woanders am Körper auftreten. Viele der Kollegen, die alternative Verfahren anbieten, sind im BNZ, dem Bundesverband naturheilkundlich tätiger Zahnärzte in Deutschland, zusammengeschlossen.

Zahnyoga

BKK advita: Ihr neues Projekt heisst „Zahnyoga“. Was verstehen sie darunter?

Thilo Grauheding: Wir alle kennen den Satz „Ich muss nur noch schnell Zähneputzen.“. Zähneputzen wird für die meisten Menschen mit Eile, Schrubben, unangenehmen Geräuschen oder scharfer Zahnpasta assoziiert. Mit „Zahnyoga“ will ich für mehr Achtsamkeit in Sachen Zahnpflege sorgen, um so einfach zu besseren Putzergebnissen zu kommen. Im Yogakurs haben Sie einen Lehrer, der erklärt und anleitet. Auch die richtige, also sanfte und effiziente Zahnpflege gilt es erst einmal neu zu erlernen, alte Bewegungsmuster werden abgelegt, feinere Putztechniken geübt. Die schonende, gründliche Reinigung der Zähne mit kleinen Borstenköpfen ist einfach, aber natürlich nicht in einer Minute zu haben. Besser entfernen Sie die Plaque also außerhalb des Badezimmers, vielleicht an Ihrem Lieblingsplatz? Da es beim Putzen um das Wegwischen bzw. Desorganisieren der Beläge geht, funktioniert das sogar auch ohne Zahnpasta und Wasser. Die Sicherheit, ob Sie auch wirklich gründlich gereinigt haben, bekommen Sie, wenn Sie mit der Zunge über die Zahnflächen streichen. Saubere Zähne sind glatt! Das Zähneputzen kann so zu einer täglichen meditativen Übung werden. Und eine Yogamatte ist ein sehr guter Ort  dafür. Eine bessere Wahrnehmung für die Zähne und mehr Zahnbewusstsein – das ist es, was ich mit Zahnyoga vermitteln will.

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Über Thilo Grauheding
Studium in Mainz, seit 1997 Zahnarzt, längere Reisen nach Mittelamerika, von 2000 bis 2015 in eigener Praxis mit Schwerpunkt Prophylaxe in Morbach-Hunolstein, tätig auch als Schulzahnarzt, ab 2007 Entwicklung der SWAK-Zahnbürste und Beschreibung einer nachhaltig funktionierenden Zahnpflege.

Hier ist das Interivew zu finden: www.bkk-advita.de

1 Kommentare

  1. Ute Baacke sagt

    Ich freu mich auf den Zahnyoga – Workshop auf dem Agape Zoe Festival im Januar!!!

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